Eingespieltes Jazz-Duo setzt Akzente in der Bandfabrik (Von Martin Hagemeyer)

Mathias Haus führte den Abend am Klavier an und Dietmar Fuhr fügte sich am Bass punktgenau ein
Wem rund um Oberbarmen oder auch im nahen Schwelm nach einem jazzigen Wochenausklang ist, der wird oft in der Bandfabrik fündig – sowie glücklich und satt. Mit kulinarischem „Vorprogramm“ startete auch die jüngste Ausgabe des „Friday Night Jazz Club“, als Mathias Haus und Dietmar Fuhr ein Konzert mit Piano und Kontrabass spielten.

Nicht schroff, sondern zugewandt kamen diese Facetten der Jazzmusik am Freitagabend daher. Wer sich zuvor schon am internationalen Essen (fleischig/vegan) gütlich getan hatte, lief kaum Gefahr, seine Verdauung zu gefährden: Entspannt war die Geste, die das Duo auf geübter Basis mühelos vermittelte. Haus‘ Instrument ist sonst vor allem das mit Xylophonen verwandte Vibraphon, doch genießt er es laut Eigenbekunden, „am Klavier andere Stimmungen zu erzeugen“. Statt wie also sonst mit Schlägeln, zeigte er sich nun mit den Fingern versiert.

Ein Gutteil der Titel waren zeitlos erfreuliche Standards bis Evergreens, für die ein Zugriff wie heute stets eigenen Reiz birgt: Die geläufige Melodie taugt zur Linie, an der entlang sich die Variationen entspinnen; das Ohr hört förmlich die zu Grunde liegende Tonfolge mit, so einfallsreich die Abwandlungen, Modulationen, Synkopen auch sein mögen. Spätestens zum Ende hin biegen die wohlklingenden Um- und Abwege auf den vertrauten Weg ein und münden in Harmonie. In der Bandfabrik galt das etwa bei „Orfeo Negro“, wo Haus‘ Spielart nach zwei unbekannteren Eingangsstücken nun bei dem einst als Bossa Nova verfassten Lied zu erleben war.

Auch „Moon River“ gehörte mit seiner Verbreitung durch den Film „Frühstück bei Tiffany“ natürlich und zu Recht in die Kategorie „immer wieder schön zu hören“. Hier legte erst Haus eine Weile allein vor, bis der Kompagnon um das von diesem extemporierte Thema herum sonor seine Zupftöne rankte.

Generell war das Verhältnis der zwei Parts zueinander stets klar. Haus führte in jeder Hinsicht, als musikalischer Leader und auch als Moderator. Fuhr reicherte markant von rechts an, fürs punktgenaue Einstimmen genügten ihm wenige Blicke. Wenn sie überhaupt nötig waren: Laut Haus waren nämlich beide zwar schon länger nicht zusammen aufgetreten, hatten aber einst ein Trio mit einem wechselnden Drummer gebildet. Um eingespielt zu sein, war also früher viel Gelegenheit gewesen. Als dann Fuhr ins Ausland gegangen sei, habe das auch die Zeit des Trios gestoppt, denn: „Den Bassisten wollte ich nicht auswechseln.“ Fuhr, wie zu lesen ist, tourt ohnehin umtriebig durch die Welt, war zu Konzertreisen schon in Neuseeland oder Israel.

Auch Eigenkompositionen von Mathias Haus überzeugten
Zur Abwechslung mal selbst erst spät setzte der Pianist bei „African Flower“ ein, nachdem Fuhr den Titel von Duke Ellington zunächst allein angestimmt hatte. Mit „Things Ain‘t What They Used To Be“ stammte auch das Folgestück (oder zumindest dessen Band-Arrangement) von der 1974 gestorbenen US-Jazzgröße.

Haus-Eigenkompositionen im Programm fügten sich harmonisch ein, setzten aber Akzente. Ein schönes Beispiel hatte schon „Erde“ gegeben, Stück zwei des Abends: Eine prägnante Sechs-Töne-Sequenz plus versetzter Wiederholung durchzog es bis zum Schluss, vielfach synchron von Klavier und Bass.

Moderieren hieß bei Haus übrigens auch Plaudern übers Entstehen manches Stücks. Mehr als einmal kam dabei sein Lehrer vor, der Jazz-Vibraphonist Gary Burton: Einst habe dieser über Keith Jarrett, US-Pianist und zeitweiliger Musikpartner, bemerkt: „Keith is a strange guy“ – Haus machte kurzerhand ein Lied dieses Titels daraus. Ganz entspannt eben.

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